Feuerwehrleute bekommen dafür vom Innenministerium das goldene Ehrenzeichen, das Tanklöschfahrzeug der Röthenbacher Feuerwehr dafür eine ehrenvolle letzte Ausfahrt in Begleitung von jungen und altgedienten Feuerwehrkameraden und –innen: nach 40 Dienstjahren wurde dieser Tage das TLF 16 auf Magirus-Fahrgestell außer Dienst gestellt. Die örtliche Wehr hatte mit einem LF 10 erst vor kurzem ein Nachfolgefahrzeug übernommen.

Als besondere Ehrung empfand es der frühere stellvertretende Kommandant Karl Schröppel, dass ihm das Kommando für die letzte Fahrt übertragen wurde. Er ist der letzte noch lebende Feuerwehrmann, der einst das Fahrzeug in Ulm ab Werk übernommen und überführt hatte. Begleitet wurde er von seinen Söhnen Wolfgang, früherer Kommandant der Wehr, und Werner, früherer 1. Vorsitzender des Feuerwehrvereines – beide sind heute mit 59 und 56 Jahren noch aktiv und damit nicht nur bei den Dienstältesten, sondern die letzten Aktiven, die den liebevoll genannten „Tanker“ vom ersten Tag an bei Übungen und im Ernstfall einsetzen durften. Mit ihnen begleiteten zwei Dutzend Feuerwehrleute das Fahrzeug zur Ausmusterungsstelle im Feuerwehrhof Wendelstein, in den man natürlich mit Blaulicht „und Musik“ einfuhr. Nur 23.000 km brachte er auf den Kilometerzähler, aber solche Geräte sind eben nur Kurzstreckenfahrzeuge. Zuvor durchfuhr man am Röthenbacher Richterhaus, dem einstigen Ortsausgang an der Schwarzach, einen Wasservorhang, den die Jugendgruppe mit dem neuen LF 10 aufgebaut hatte.

Das TLF 16 war nicht nur irgendein Feuerwehrauto, nein, es war viele Jahre lang das technische Rückgrat der Wehr. Seine Anschaffung wurde noch von der ehemals eigenständigen Gemeinde Röthenbach St. Wolfgang unter Bürgermeister Eberhard Büttner beschlossen und einziehen durfte es in das nagelneue Feuerwehrhaus in der Feuchter Straße – das, welche Ironie des Schicksals, bereits vor wenigen Monaten weichen musste zugunsten eines energetisch effizienteren, neuen und modernen Feuerwehrgerätehauses. So hat das Fahrzeug sogar seinen „Stall“ überlebt, denn es durfte ein wenig länger bleiben, bis die Wehr mit dem neuen Gerät vertraut war. Die Indienststellung des TLF 16 befähigte die Wehr zum Einsatz unter schwerem Atemschutz und man hatte beachtliche 2.400 Liter Wasser dabei, gekoppelt mit einem Schnellangriff – bedeutende Weichenstellungen damals.

Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten zogen auch am Feuerwehrdienst interessierte Bürger an und so wuchs die Wehr nach und nach zu einer schlagkräftigen Einheit heran, auf die sich die Bürger heute verlassen können, wenn es ernst wird. Zu schwersten Autobahnunfällen rückte das TLF ebenso aus wie beim Jahrhundertsturm „Wiebke“, als dicke Bäume wie Streichhölzer knickten, z. B. entlang der Straße nach Langwasser. Nur einmal versagte es – ausgerechnet beim allerersten Einsatz, einem Garagenbrand. Die Druckluftbremse des nagelneuen Fahrzeugs ging wegen eines Ventildefektes nicht auf und so stand es mit „tatütata“ im Gerätehaus ohne sich auch nur einen einzigen Meter in Richtung des nur 200m entfernten und in Sichtweite befindlichen Brandherdes „Am Salzstadel“ zu bewegen. Die Mannschaft unter Kommandant Georg Zeller saß kurzerhand ab und rannte zu Fuß die kurze Strecke. Am Ende löschte man ohne Pumpe direkt mit dem Druck des Hydranten. Das Feuer war schnell aus, die Aufregung aber groß.

Nun brachte das TLF 16 die letzte Fahrt unfallfrei hinter sich und wurde mit einem Knopfdruck endgültig durch Ehrenmitglied Karl Schröppel vom Funknetz genommen, „Status 6, nicht einsatzbereit!“ wurde der integrierten Leitstelle übermittelt. Eine Ära ging zu Ende. Rotes Blech, lackiert in RAL 3000, ein paar Dellen, infernalischer Motorlärm des Luftkühlers und abartig stinkende Abgase jenseits jeder Euro-Norm, aber ein bisschen Liebe war es eben auch. „XXX“ hatte man künstlerisch dem Fahrzeug auf die Schulterklappen gemalt. Im Dezember wären es „XXXX“ für 40 Jahre gewesen. Knapp verfehlt. Gute Pflege eben. Aber dann wird man mit dem modernen LF 10 schon in den neuen Feuerwehrhof eingezogen sein und alles wird gut sein, denn das LF 10 kann mehr, viel mehr. Und es wird wahrscheinlich Leben retten und weiterhin von Ehrenamtlichen bedient werden, die rein rennen, wenn andere raus rennen. So wie es immer war, Gott zur Ehr‘ dem nächsten zur Wehr!

 

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