Besuch aus Berlin – die Röthenbacher Feuerwehr im Gespräch mit MdB Kristine Lütke

Wer darf, wer muss ausrücken bei Unfällen auf der Autobahn? Was uns im Ehrenamt so alles bewegt!

Am 10. Juni 2022 besuchten uns die Jungen Liberalen unter der Führung der Bundestagsabgeordneten Kristine Lütke aus dem Wahlkreis 246 (Landkreise Roth und Nürnberger Land). Sie „wolle sich ein Bild über das Ehrenamt und über die Situation der Feuerwehr machen“, wünschte sich MdB Lütke und der Beisitzer des FDP-Kreisverbandes Alexander Hahn schlug ihr kurzerhand vor, die Feuerwehr seiner Heimatgemeinde zu besuchen, denn er wohnt in Röthenbach. Kommandant Gerhard Vater stellte mit seinem Team in einer kurzen Präsentation das vielseitige Aufgabenspektrum der Wehr und auch den fördernden Feuerwehrwehrverein vor, was in einer abwechslungsreichen Diskussion über die großen und kleinen Herausforderungen des Ehrenamtes mündete.

Lütke wollte bspw. wissen, ob immer weniger am Ehrenamt interessiert seien? Früher als zuvor nehme man Jugendliche schon mit 12 Jahren in die Jugendgruppe auf und biete dort neben einer soliden Ausbildung auch viele Freizeitaktivitäten, entgegnete die Wehr. Es gäbe schon einen Wettbewerb um die Jugend, die schulisch gefordert sei und oft einen vollen Kalender habe, meinte unser Jugendwart Tilo Bergmann. Aber neue Feuerwehrdienstleistende könne man heute praktisch nur noch aus der Jugendgruppe rekrutieren und so lohne sich der Einsatz, auch wenn nicht alle blieben. Zudem habe man in der Marktgemeinde Wendelstein einen sehr effektiven Verbund der Feuerwehr-Jugendgruppen, was vieles in der Ausbildung einfacher und abwechslungsreicher macht.

Gleichzeitig gibt es eine gewandelte und gleichermaßen hohe Erwartungshaltung der Bevölkerung an die Feuerwehr, die eine hohe Verantwortung bei Einsätzen trage. Egal ob Überschwemmung, Verkehrsunfall, Brand oder Schneebruch – die Feuerwehr muss es richten! Dass dabei auf dem Land ausschließlich Ehrenamtliche in solchen Notlagen helfen, gerät ein wenig in Vergessenheit. Das Ansehen der Wehren sei nach wie vor sehr hoch in der Bevölkerung. „Homeoffice ist für uns ein Glücksfall!“, meinte unser früherer Kommandant Wolfgang Schröppel, schließlich sei so die Ausrückestärke unter Tage – ein wichtiges Kriterium für jede Wehr – besser als je zuvor abgesichert. MdB Lütke befand, man „müsse die Arbeitgeber sensibilisieren für die wichtige Notwendigkeit“ der Sicherstellung des Brandschutzes und der technischen Hilfeleistung.

Dass es sich unsere Feuerwehr als zur A73 und A9 nächstgelegene Wehr mit großem wasserführendem Löschfahrzeug über die Jahre erst einmal erkämpfen musste, neben der Stützpunktwehr überhaupt mitalarmiert zu werden, fand MdB Lütke „Spannend!“. Was ihrer Meinung nach „eigentlich unstrittig sein sollte“, war aber tatsächlich eine jahrelange Überzeugungsarbeit der Röthenbacher Führungskräfte gegenüber der Kreisbrandinspektion vorausgegangen – mit gutem Ende.

Bei durchschnittlich 35 Alarmierungen führten fast 40% aller Einsätze in den letzten 4 Jahren auf die Autobahn, vertiefte unser Kommandant Gerhard Vater, man habe sich nicht ohne guten Grund für eine Mitalarmierung stark gemacht. Seine Mannschaft pflichtete ihm wortstark bei: „Schneller als jede andere Hilfseinheit erreiche man die Einsatzstelle auf der Autobahn und oft seien die Feuerwehrsanitäter der eigenen Truppe und nachrückender Wehren über viele entscheidende Minuten die einzigen, die sich wirkungsvoll der Ersten Hilfe von Schwerverletzten annehmen bis schließlich nach und nach Rettungswägen und der Notarzt eintreffen!“.

Man hofft natürlich, dass im Zuge der anstehenden Erstellung und Verabschiedung eines Feuerwehrbedarfsplanes für die Marktgemeinde Wendelstein die Ausrüstung der Röthenbacher Feuerwehr noch um einen Rettungssatz ergänzt wird, der für die effiziente Hilfe bei Unfällen in dem Erstangriffsfahrzeug LF10 der Wehr einfach unabdingbar ist. „Das Miteinander und die Zusammenarbeit sind uns wichtig, wir nehmen ja keinem etwas weg!“, hieß es aus der Runde. Man sieht, selbst uneigennütziges Helfen ist mitunter schwierig im Ehrenamt. Über das „Kompetenzgerangel“ hinweg (der Begriff fiel mehrmals), das selbst schon die Regierung von Mittelfranken beschäftigte (der zu schützende Autobahnabschnitt liegt nämlich auch noch verteilt auf zwei Landkreise, deren Feuerwehrleitungsfunktionen unterschiedliche Ansichten haben), wisse aber jeder Feuerwehrdienstleistende, was zu tun ist im Ernstfall.

Abschließend wollte es die Röthenbacher Wehr nicht versäumen, der Marktgemeinde Wendelstein Dank zu zollen für den respektablen Neubau des Gerätehauses und die hohen Investitionen in die Fahrzeugerneuerung in Röthenbach St. W., das die Zukunft der Wehr überhaupt erst ermögliche. Die Mannschaft – sehr gut ausgebildet und ambitioniert bei der Sache – wird ihren Beitrag leisten, da ist sich Kommandant Gerhard Vater ganz sicher. Die Diskussion war jedenfalls eine sehr angeregte und fand das Interesse beider Seiten – der Politik und dem Ehrenamt in der Feuerwehr.

 

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